Abwarten und Plastik im Tee trinken?

Tee hat viele gute Eigenschaften, er belebt die Sinne, wärmt im Winter, kühlt im Sommer, sorgt für Gemütlichkeit und etwas Ruhe im Alltag, kann manche Beschwerden lindern und schmeckt mir persönlich super gut. Daher trinke ich wirklich gerne und viel Tee und habe immer mal wieder verschiedene Sorten durchprobiert. Was meiner Meinung nach immer passt und super lecker schmeckt, ist Marokkanischer Minztee. Meinen Favoriten gibt es im Pyramidenbeutel, der etwas teurer als die klassischen Papierbeutel ist, aber mehr Aromen abgeben soll. Lange war ich damit total zufrieden, doch als ich damit begonnen habe, mehr auf meinen Plastikkonsum zu achten, wurde ich dem seidig-glatten Pyramidenteebeutel gegenüber immer skeptischer. Ist da etwa Plastik drin, das sich in meinem heißen Tee lösen kann? Habe ich jetzt die selben Plastikpartikel im Bauch wie Fische und Kleinstlebewesen, die den zersetzten Plastikmüll aus dem Meer mit jedem Happen aufnehmen? Dem Blog Treading My Own Path zu Folge könnte das leider so sein. Eine weitere Frage die sich mir stellt ist, ob der Pyramidenbeutel schlechter als der papierne Standard-Beutel ist, und was ich besser kaufen sollte.

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Zur Erklärung erstmal: Diese Pyramiden-Teebeutel, von denen ich rede, bestehen aus einem pyramidenförmigen Beutel aus einem netzartigen, seidigen Material und haben oben einen angeschweißten Faden mit Zettelchen, die beide optisch an Plastik denken lassen. Entwickelt wurden die Pyramidenbeutel einerseits für die Gastronomie, andererseits für Teetrinker, die normalerweise lose Tees aufbrühen, die großblättriger und von höherer Qualität sind, deren Aroma in den üblichen, mit feinen Blattschnipseln befüllten Papier-Teebeuteln nicht zur Geltung käme – erklärt Rudolf Krapf, der Leiter der Dallmayr-Teeabteilung im ZEITmagazin Interview von 2014. Seiner Meinung nach „ist bei den klassischen Teebeuteln immer ein ganz leichter Papiergeschmack zu bemerken. Die sind aus Abacá, einer Bananenstaude„. Demgegenüber lobt er die damals neuen Pyramidenbeutel, die nicht (wie angenommen) aus Plastik, sondern aus Maisstärke hergestellt werden und geschmacks- und geruchsneutral sind.

Zum Teebeutel aus Maisstärke gibt es im deutschsprachigen Raum wenige Artikel, so bin ich auf die Website eines belgischen Online-Vertriebs für Bio-Produkte gestoßen, der die Polylactide kritisiert: „Polymilchsäure (PLA) ist ein Material auf Basis von (wahrscheinlich genetisch modifiziertem) Mais. Sie wird für Teebeutel verwendet. Die großen Teefabrikanten lieben dieses Material. Nicht nur, weil es gut aussieht, sondern ebenfalls weil es sozusagen biologisch abbaubar ist. Ein Ausdruck wie „seidensanfte Beutel“ und „biologisch abbaubare Teebeutel auf Basis von Mais“ täuschen den Konsumenten und lassen ihn denken, dass dieses Produkt natürlicher und umweltfreundlicher ist, als es in Wirklichkeit ist.“ (Quelle)

Im SWR-Blog wiederum kann sich der Teebeutel aus Maisstärke gegenüber den klassischen Papierbeuteln sogar als umweltfreundlicher behaupten. Hier heißt es, „das Zeug wird vollständig abgebaut – und das ist sogar ein Vorteil gegenüber den alten dünnen Papierfaser-Teebeuteln. Da denkt man immer, die verrotten schnell – aber die meisten dieser Teebeutel bestehen tatsächlich nur zu ungefähr 80% aus Papier, zu 20% aber aus einem feinen Gerüst aus hitzebeständigem Polypropylen, und das verrottet sogar schlechter als das Polylactid der Kunststoff-Beutel.“ (Quelle)

Man muss dabei aber deutlich zwischen den verschiedenen Pyramidenbeuteln unterscheiden, denn während die einen aus vermeintlich umweltfreundlichen Polylactiden bestehen, gibt es auch Teebeutel, die tatsächlich und vollständig aus Plastik gefertigt werden. Mit dem Artikel „Are Tea Bags Turning Us Into Plastic?“ hat die Zeitschrift The Atlantic bereits 2013 eine Diskussion um die Kunststoff-Teebeutel ausgelöst, weshalb sich die von mir gefundenen Quellen immer wieder darauf beziehen. Laut The Atlantic bestehen die meisten Pyramidenbeutel aus nahrungssicherem Nylon oder Polyethylen (PE): Kunststoffen mit hohen Siedepunkten aber Glasübergangstemperaturen, die unter dem Siedepunkt von Wasser liegen. Dies bedeutet, dass die Kunststoffe im kochenden Wasser zwar nicht schmelzen, denn ihr Siedepunkt liegt deutlich über 100°C, die Kunststoffketten können in kochendem Wasseraber aber sehr wohl abbrechen. Dies besagt die Glasübergangstemperatur, die angibt, ab welcher Temperatur Kunststoffketten brechen können. Im Fall von Nylon und PET kann dies also in heißem und kochendem Wasser geschehen, sodass sich Kunststoffpartikel im Teewasser lösen können. Mein Albtraum vom gelösten Plastik in meinem Bauch wäre demzufolge also leider möglich.

So berauschend waren die Ergebnisse meiner Recherche zugegebenermaßen nicht. Zu den oben genannten konkurrierenden Statements kommen noch die entmutigenden Zusagen einiger Teehersteller, dass in ihren Teebeuteln tatsächlich Plastik enthalten ist. Diese Statements konnte die Treading My Own Path-Bloggerin mit ihrer „Campaign for Plastic Free Tea entlocken. Alles in allem habe ich leider keine wirklich vertrauenserweckende Quellen zum Thema Plastik in Teebeuteln gefunden, auch keine Quelle die negiert, dass Plastikpartikel aus Teebeuteln herausgelöst werden. Die Inhaltsstoffe des Beutels werden außerdem nicht immer offengelegt, manche Hersteller deklarieren allerdings extra, kein Plastik zu verwenden, was darauf rückschließen lässt, dass die Verwendung von Plastik in der Branche üblich ist. Woraus genau der Teebeutel in meinem Schrank besteht und ob der Pyramidenbeutel aus ökologischer Sicht schlechter als der Papierbeutel ist, variiert also und lässt sich nicht konkret beantworten.

Welche Teebeutel man kauft, bleibt jedem überlassen, aber ich hoffe, dass dieser Artikel euch etwas für die Problematik sensibilisieren konnte. Wer dem Teebeutel-Chaos entgehen möchte, greift am besten auf losen Tee zurück und verwendet ein Tee-Ei oder Tee-Sieb aus Metall. Das ist vielleicht ein bisschen umständlicher, macht das Teekochen aber gleichzeitig noch stärker zur Zeremonie. Ich versuche mir das langsam anzugewöhnen, muss meine Teebeutelsammlung zu Hause aber so oder so noch aufbrauchen.  Für losen Tee spricht ja auch, dass er auch ohne Plastikverpackung erworben werden kann, wohingegen die meisten Pyramidenbeutel-Verpackungen ja aus Pappe bestehen, die zum Schutz vor Feuchtigkeit noch in Plastik eingeschweißt wurde.

Wie sieht es mit euch und eurem Teekonsum aus? Welche Beutel verwendet ihr und welche Meinung habt ihr zum Plastik im Teebeutel?

• Quellen: 1 / 2 / 34 / 5 / 6 /

 

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